LVB beschaffen Niederflurbeiwagen
Am 12. April 1999 unterzeichneten die Geschäftsführer
der Leipziger Verkehrsbetriebe gemeinsam mit Vertretern der Rostocker
Straßenbahn AG und der Bombardier Transportation DWA
die Veträge über die Bestellung von 38 Niederflurbeiwagen
für Leipzig. Die insgesamt etwa 30 Millionen Mark teuren Fahrzeuge
sollen den Niederfluranteil im Straßenbahnnetz
deutlich erhöhen.
Die Idee entstand bereits im Juni 1996. Damals standen die LVB zwischen
den Alternativen, entweder eine "Sänfte" in die Tatras einzubauen oder
Niederflurbeiwagen zu beschaffen. Da die erste Variante technisch extrem
kompliziert ist, entschied man sich zur Beschaffung der Beiwagen. Im Jahr 1997
hat es dann eine erste Ausschreibung gegeben, die bei den Herstellern jedoch
auf wenig Resonanz stieß. Nur wenige Angebote gingen ein und die waren
mit weit über einer Million Mark pro Wagen viel zu teuer. Also warteten
die LVB noch ein halbes Jahr und entschieden sich auf dem Kongress
des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen 1998, zusammen mit der Rostocker
Straßenbahn AG als gemeinsame Gruppe aufzutreten. Gleichzeitig beschlossen
die Leipziger, keine weiteren Niederflurgelenktriebwagen des Typs NGT8 zu bestellen,
da diese den Anforderungen nicht gewachsen sind. Im August 1998 gab es eine weitere
Ausschreibung, auf die sich zwölf Interessenten aus Deutschland, Frankreich, Italien
und der Schweiz meldeten. Tatsächlich eingegangen sind
drei Angebote. Am 29.01.1999 bekam die kanadische Bombardier Transportation,
die sowohl preisgünstigster Anbieter war als auch eine technische gute Lösung
anbot, den Zuschlag.
Die Niederflurbeiwagen sollen an die modernisierten Tatrawagen des Typs T4D-M(2)C angehängt
werden. Eine Zugbildung mit den vorhandenen Niederflurtriebwagen ist nicht möglich, da
diese keine elektrische Kupplung besitzen. Die 38 Leipziger und 22 Rostocker Beiwagen sind die
ersten Niederflurfahrzeuge, die an Tatrawagen angehängt werden sollen. Dadurch erhofft
sich Bombardier Exportchancen in osteuropäische Städte, wo die Tatra-Bahnen zum Straßenbild gehören.
Die Beiwagen werden im Bautzner Werk der Deutschen Waggonbau GmbH, die der Bombardier unterstellt ist,
hergestellt. Die Bauzeit des ersten Fahrzeugs wird etwa 16 Monate betragen. Im August 2000 wird
es dann durch Leipzig rollen. Bis Oktober 2001 werden auch die übrigen Fahrzeuge angekommen sein.
Die Auslieferung nach Rostock erfolgt von Mai 2001 bis Mai 2002.
Das grobe Aussehen der Fahrzeuge wird dem der B6A2 ähneln, also eher eckig sein. Das
hängt unter anderem damit zusammen, dass die Rostocker Wagen an Fahrzeuge des Typs T6A2
angehängt werden sollen. Die Farbgebung und die Innenausstattung ist noch völlig
offen. In Leipzig werden darüber der Fahrgastbeirat sowie der Planungsdezernent Engelbert Lütke
Daltrup beraten und entscheiden. Die Beiwagen werden etwa 14 m lang und 2,20 m breit sein.
Geplant sind etwa 32 Sitz- und 36 Stehplätze, aber auch hierüber hat der Fahrgastbeirat
noch zu entscheiden.
Hajo Graf Vitzthum, Technischer Vorstand der Rostocker Straßenbahn AG,
ist froh über die Zusammenarbeit mit den Leipziger Verkehrsbetrieben.
Alleine hätte man keinen günstigen Bieter für die Herstellung der
22 Beiwagen gefunden. Rostock möchte mit den Niederflurbeiwagen im gesamten
Netz Niederflurigkeit und Komfort bieten können. Das Netz soll außerdem
um dreißig Prozent erweitert werden, so dass rund 80 Prozent der Rostocker
durch die Straßenbahn erschlossen sind.
Im großen Leipziger Netz reichen die Wagen natürlich noch nicht
aus, um überall einen Niederfluranteil bieten zu können. Dennoch ist eine
deutliche Steigerung möglich, denn die neuen Beiwagen sollen vor allem auf der Ost-West-Achse
Grünau - Paunsdorf unterwegs sein. Neue Stadtbahnwagen, die einen ganzen
Großzug ersetzen können, sind für das Jahr 2002 geplant.
Damit sich behinderte
Fahrgäste entsprechend einrichten können, werden die Niederflurfahrzeuge
schon sehr bald auch im Fahrplan vermerkt sein. Um Randale zu verhindern, sollen die
Beiwagen künftig mit Kameras ausgestattet werden. Dazu laufen Gespräche
mit dem Ordnungsamt, das sich auch um die Finanzierung kümmern soll. Außerdem
können dafür auch Fördermittel beantragt werden.
01.03.99: Strategisches Investitionskonzept vorgestellt
07.08.97: Bau der Niederflurbeiwagen ungewiss
19.04.1999
Weitere Verzögerung in der Georg-Schumann-Straße
Der geplante Umbau der Georg-Schumann-Straße verzögert sich.
Das teilte der Leiter des Amtes für Verkehrsplanung, Walter Stein,
auf einer gemeinsamen Sitzung der Stadtbezirksbeiräte Nord und Nordwest
mit. Der Grund sind Abstimmungsprobleme mit dem Regierungspräsidium.
Eigentlich sollte die Georg-Schumann-Straße noch in diesem Jahr
zwischen den Haltestellen Lützowstraße und Wiederitzscher Straße
zur Stadtbahntrasse umgestaltet werden. Schon seit Monaten streiten sich das
Verkehrsplanungsamt und die Leipziger Verkehrsbetriebe mit dem Leipziger
Regierungspräsidium. Denn das pocht auf den Status der Bundesstraße
und will eine geringere Straßenbreite nicht genehmigen. Doch diese ist nötig,
wenn man für die Straßenbahn einen besonderen Bahnkörper
errichten will. "Nicht förderfähig", heißt es aus
dem Regierungspräsidium.
Inzwischen haben die Leipziger Verkehrsbetriebe mit dem Amt für Verkehrsplanung
und dem Regierungspräsidium eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen.
"Doch es wird keine Lösung über Nacht geben", warnt
LVB-Geschäftsführer Wolfgang Jähnichen vor verfrühter Euphorie. Derweil wurden mit
einer Computersimulation verschiedene Ausbauszustände getestet. Auch der Knotenpunkt
Lützowstraße wurde nochmals verändert. Man fand heraus, dass auch
mit einer Fahrbahnbreite von 5,50 Meter für zwei Fahrstreifen ein guter Verkehrsablauf
möglich ist. Die Straßenbahn könnte ihre Reisegeschwindigkeit auf diesem
Abschnitt von 13 auf 27 km/h erhöhen. Die der Autos läge bei etwa 20 km/h.
Die Leipziger Verkehrsbetriebe sind mit diesem Ergebnis zufrieden, doch das Regierungspräsidium
stellt sich quer, da bei dieser Untersuchung keine parkende und haltende Fahrzeuge berücksichtigt
wurden. Außerdem solle erst der Mittlere Ring gebaut werden.
Walter Stein stellte gegenüber den Stadtbezirksbeiräten klar, dass auf jedem
Fall im nächsten Jahr gebaut werden muss. Die Gleise müssen dringend saniert
werden. Ob und in welchem Umfang der übrige Straßenraum verändert
wird, sei noch völlig offen. Ein Ergebnis wird für Mitte Mai erwartet.
Stein betonte, dass der Umbau der Georg-Schumann-Straße eng mit den Planungen
für die S-Bahn Halle - Leipzig zusammenhängt. Von 2001 bis 2003 muss die
Slevogtstraße zwischen Georg-Schumann-Straße und
Wiederitzscher Weg gesperrt werden, weil eine Unterführung und die Anbindung
an die neue S1 gebaut werden. Da die Schumannstraße dann noch mehr Verkehr
verkraften muss, kann es dort in diesem Zeitraum keine Umleitungen geben. Nach 2003
werden dann erst die anderen Abschnitte in der Schumannstraße umgebaut.
Falls nun im Jahr 2000 neben den Gleisen auch der andere Straßenraum
erneuert wird, wovon Walter Stein ausgeht, wird für die Straßenbahn ein
sechs bis acht Zentimeter hoher Bahnkörper errichtet, der gepflastert und damit
für Rettungsfahrzeuge befahrbar sein wird. Wegen der geringen Breite bleibt für
Busse aber kein Platz. Die Haltestellen sollen - je nach Platz - entweder als Haltestelleninsel oder signalgesteuerte
Zeitinsel errichtet werden. Das Anheben der gesamten Straße als Hochbahnsteig sei
wegen des Status als Bundesstraße nicht möglich. Diese Variante soll aber
beim Umbau der Philipp-Rosenthal-Straße (künftige Linie 16) erstmals in Leipzig zum
Einsatz kommen.
Die LVB nutzen übrigens die Verzögerung und ziehen dafür die
Baumaßnahmen Rudolf-Breitscheid-Straße sowie einen Teil der Karl-Liebknecht-Straße
vor. Beide Maßnahmen waren eigentlich erst für 2000 geplant.
29.07.98: Streit über Georg-Schumann-Straße beigelegt denkste!
15.03.99: Stadtbahnlinie 11: Karl-Liebknecht-Straße wird umgebaut
01.03.99: Strategisches Investitionskonzept vorgestellt
19.04.1999
Marketing-Aktion in Grünau war erfolgreich
Im vergangen Jahr führten die Leipziger Verkehrsbetriebe ihr
bisher größtes und aufwendigstes Marketingprojekt durch.
Dabei wurden sämtliche Grünauer Haushalte angeschrieben
und über ihr Mobilitätsverhalten sowie über die Leipziger
Verkehrsbetriebe befragt. Zusätzlich konnten sich die Grünauer
verschiedene Informationspakete, Test-Monatskarten oder auch einen
Kundenberater der LVB nach Hause schicken lassen. Etwa 84 Prozent
der fast 32.000 Haushalte gingen auf dieses Angebot ein.
Die meisten ließen sich ihr persönliches Info-Paket mit
Liniennetzplan, Tarifinfos und dem Abfahrtsplan ihrer Haltestelle schicken.
Rund 1800 Grünauer kamen in den Genuss, einen Monat lang kostenlos
die Busse und Bahnen der LVB zu testen und 1300 Bürger ließen
sich in ihrem Wohnzimmer beraten.
Ziel dieser Aktion war es, Informationsdefizite zu beseitigen. Denn: Wer
nicht weiß, wohin die Bahn überhaupt fährt und was es kostet,
steigt auch nicht ein. Um nicht einfach nur Werbematerial in den Briefkasten
zu werfen, das ohnehin oftmals gleich im Müll landet, haben sich die
LVB für dieses Individuelle Marketing entschieden.
Das Ergebnis: Die Grünauer fahren im Schnitt 19 mal mehr
im Jahr mit öffentlichen Verkehrsmitteln als die Bewohner anderer Stadtteile. Dabei nahm vor allem
der Freizeit- und Einkaufsverkehr zu. Auch in der Schwachlastzeit von
9 bis 15 Uhr haben die Grünauer zugelegt. Der Anteil des öffentlichen
Personennahverkehrs ist nach der Kampagne von 16 auf 17 Prozent gestiegen, während der des PKW
um einen Prozentpunkt gesunken ist. Im übrigen Stadtgebiet verhielt es sich
genau umgekehrt. Dort hat das Auto dazugewonnen. Auch werden hier nur etwa 12
Prozent aller Wege mit Bussen und Bahnen erledigt.
Die Leipziger Verkehrsbetriebe wollen die in Grünau gewonnenen Erfahrungen
nutzen, um in Zukunft noch gezielter vorhandene Hemmschwellen bei den Bürgern
abzubauen. Diese Marketingaktionen sollen dann ganz gezielt auf bestimmte Linien oder
Zielgruppen ausgerichtet werden, damit auch in anderen Bereichen der Stadt
Fahrgastzuwächse erzielt werden können.
Stichwort Grünau: Grünau liegt am westlichen Stadtrand
und ist Leipzigs größter Stadtteil. Dort leben etwa 80.000 Menschen, das sind
- bezogen auf den Stand vor den Eingemeindungen dieses Jahres - rund 18 Prozent aller
Leipziger. Grünau ist geprägt durch 5-, 6-, 11- und 16-geschossige Wohnhäuser
in Plattenbauweise der siebziger und achtziger Jahre. Grünau besitzt im Vergleich zu anderen
Leipziger Stadtteilen eine sehr gute Infrastruktur. Dazu zählen u.a. Kindergärten und
Schulen aller Art, ein großes Einkaufszentrum, ein Multiplex-Kino, eine moderne Schwimmhalle
sowie Bibliotheken und mehrere kleinere Nahversorgungszentren. Dank der achsenartigen Fußgängerzonen,
die den ganzen Stadtteil durchqueren, können viele Wege zu Fuß erledigt werden.
Die meisten Fünf- und Sechsgeschosser sind bereits saniert und bieten einen Blick
auf begrünte Innenhöfe. Allerdings bereitet das anonyme
Wohnen in den 11- und 16-Geschossern Probleme, da es dort vor allem sozial Schwache hinzieht.
Die Hauptachsen des ÖPNV bilden die Straßenbahnstrecke im Norden entlang
der Lützner Straße, die S-Bahn-Strecke etwa in der Mitte des Stadtteils sowie die Straßenbahnstrecke
im Süden entlang der Ratzelstraße. Die Strecken sind durch Buslinien in der Kiewer Straße
und der Schönauer Straße miteinander verbunden. Von den Endstellen der Straßenbahn
in Miltitz bzw. Lausen muss allerdings eine Fahrtzeit von etwa 30 Minuten bis zur Innenstadt eingeplant werden.
Das gilt auch für die S-Bahn, da diese erst einen Bogen über den Leipziger Nordwesten macht.
29.01.98: LVB starteten Umfrage in Grünau
Midi-Busse sollen durchs Musikviertel rollen
Mit einer neuen Buslinie wollen die Leipziger Verkehrsbetriebe
das Musikviertel und die Innenstadt besser erschließen. Die geplante Linie
69 soll ab kommenden Fahrplanwechsel im August
von der Kurt-Eisner-/Arthur-Hoffmann-Straße über
Kurt-Eisner-Straße, August-Bebel-Straße, Mahlmannstraße,
Wundtstraße, Grassistraße, Karl-Tauchnitz-Straße,
Martin-Luther-Ring, Thomasgasse, Markt, Katharinenstraße und
Hallisches Tor zum Hauptbahnhof fahren.
Die Linie 69 soll täglich im 20-Minuten-Takt verkehren, in der
Hauptverkehrszeit auch öfter.
Da die Straßen entlang der neuen Strecke im Musikviertel und in der
Innenstadt sehr eng sind, werden auf der Buslinie Midi-Busse eingesetzt. Diese sind
schmaler und kürzer als "normale" Busse und können daher auch
in beengten Verhältnissen fahren. Die Poller in der Innenstadt können mittels
vollautomatischem Funkbefehl versenkt werden.
Mit der neuen Buslinie wird die Straßenbahnstrecke der Linie 24 durch die August-Bebel-Straße
/ Dufourstraße / Harkortstraß ersetzt, da alle Haltestellen (außer Floßplatz)
weiterhin bedient werden. Die Trasse wird im Nahverkehrsplan unter
"Untersuchungsstrecke: Umstellung auf Busbetrieb" aufgeführt.
Auch wenn die LVB behaupten, dass die Strecke in diesem Jahr noch nicht stillgelegt wird,
spricht doch einiges dafür. So wird noch in diesem Jahr die Karl-Liebknecht-Straße
zwischen Kurt-Eisner-Straße und Südplatz umgestaltet. Dabei müsste
auch der Abzweig der Linie 24 an der Kurt-Eisner-Straße erneuert werden. Dieses Geld
könnte gespart werden, wenn die Strecke ein Jahr später ohnehin eingestellt werden
soll.
Auch ist die parallel zur Liebknechtstraße verlaufende Arthur-Hoffmann-Straße
als Umleitungstrasse vorhanden, so dass die August-Bebel-Straße für diesen
Zweck nicht erhalten werden muss. Außerdem wollen die LVB noch im ersten Halbjahr
dem Stadtrat Vorschläge über eine Umstellung auf Busbetrieb unterbreiten. Dieser hat nämlich über die Stilllegung
zu entscheiden.
Der Umweltbund Ökolöwe begreift die neue Linie als Chance, schlecht erschlossene
Gebiete der Stadt, wie das Musikviertel, besser an den öffentlichen
Nahverkehr anzubinden. Auch gäbe es durch die Buslinie endlich Haltestellen innerhalb des Rings.
Doch der Umweltbund geht noch weiter. Er möchte, dass die Linie nicht an der
Kurt-Eisner-/Arthur-Hoffmann-Straße endet, sondern über die südliche
August-Bebel-Straße, Richard-Lehmann-Straße und das Connewitzer Kreuz bis
zum Wiedebachplatz fährt. Damit würde auch das schlecht erschlossene Gebiet
der südlichen August-Bebel-Straße von einer Linie angefahren werden.
Außerdem sollten die Busse in der Hauptverkehrszeit alle zehn Minuten fahren.
Eine Stellungnahme der LVB liegt uns nicht vor.
Anmerkung: Die neue Linie wird nicht "69", sondern "89" heißen.
19.04.1999
Randale nach Fußballspiel: Busse zerstört
(LVB). Das Fußballspiel zwischen dem FC Berlin und dem VfB Leipzig hat für die
Leipziger Verkehrsbetriebe einen Schaden in Höhe von 16.500 DM zur Folge.
In Abstimmung mit der Polizei wurden am 27. März nach Spielende
etwa 350 Berliner Fans in drei Ikarus-Gelenkbussen von Probstheida zum Hauptbahnhof
gefahren, um Ausschreitungen zu verhindern. Herausgerissene Dachluken, zertretene
Seitenscheiben, beschädigte Sitze und Beleuchtungskörper sind das
Ergebnis dieser Fahrt.
Die Busse sind derzeit nicht einsatzbereit. Nur aufgrund des geringeren Fahrgastaufkommens
in den Osterferien können die LVB diesen Ausfall kompensieren.
05.04.1999